Allgemeine Information zu nicht suizidalem Selbstverletzenden Verhalten

Warum verletzen sich Menschen selbst?

Einer der häufigsten Gründe für Selbstverletzung ist die Konfrontation mit intensiven, negativen Gefühlen (wie Trauer, Stress und Wut) und Gedanken (wie zum Beispiel negative Gedanken über sich selbst). Diese Gefühle oder Gedanken werden als so stark und überwältigend wahrgenommen, dass sie nur noch schwer auszuhalten sind. Menschen, die sich häufiger selbst verletzen, berichten, dass dies zu einer kurzen Erleichterung von negativen Emotionen und Gedanken führe.

In manchen Fällen verletzen sich Menschen selbst, um sich für etwas zu bestrafen, für das sie sich schuldig fühlen oder wenn sie sich sehr hart selbst kritisieren in der Annahme nicht gut genug gewesen zu sein oder etwas falsch gemacht zu haben.

In anderen Fällen hat die Selbstverletzung den Zweck, sich wieder selbst zu spüren oder überhaupt etwas - auch wenn es Schmerz ist - zu spüren. Einige nutzen Selbstverletzung als Ausdrucksmittel ihrer eigenen Gefühle.

Es gibt noch viele weitere Gründe für Selbstverletzung und jemand verletzt sich vielleicht auch aus mehreren Gründen selbst. Auch können sich die Beweggründe für Selbstverletzung über die Zeit hinweg verändern. Was allen Motiven gemein ist, ist, dass es sich bei NSSV um eine Methode zu handeln scheint, die ihnen hilft sich auf die ein oder andere Weise, zumindest kurzfristig, besser zu fühlen.

Selbstverletzung als maladaptive Coping-Strategie

Menschen, die sich selbst verletzen, fällt es häufig schwer mit ihren Gefühlen umzugehen. Anstatt mit intensiven negativen Emotionen (wie Traurigkeit oder Wut) anders umzugehen, wird NSSV genutzt, um diese Gefühle zu vermindern oder sie zu beenden. Da NSSV manchen Menschen Erleichterung verschafft, ist es für sie reizvoll dieses Verhalten beizubehalten. Je öfter sie allerdings NSSV für diesen Zweck einsetzen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie es auch in Zukunft beibehalten werden, bzw. sich NSSV auch verstärken kann. Viele Menschen, die sich selbst verletzten, berichten von dem Gefühl, „nicht aufhören zu können“, oder dass sie von NSSV „abhängig“ seien. Es ist wichtig diesen Kreislauf frühzeitig zu durchbrechen, da es mit fortschreitendem Verlauf immer schwieriger wird ihn zu stoppen.

Ein häufiger Begleiter von NSSV im Jugndalter ist die Depression. Menschen, die depressiv sind, haben viele negative Gedanken (über sich selbst, über andere und die Welt, und über ihre Zukunft). Sie fühlen sich hoffnungslos und empfinden sich selbst als eine Last für andere. Diese Gefühle können unter Umständen zu Suizidgedanken- und Handlungen führen. Menschen, die sich selbst verletzen, haben ein erhöhtes Risiko, einen Suizid zu begehen, wenn der Stress, dem sie ausgesetzt sind, größer ist als ihre zur Verfügung stehenden Coping-Fähigkeiten. Manchmal setzten diese Menschen Selbstverletzung als Coping-Strategie ein und um sich davon abzuhalten, ihren Suizidgedanken nachzugeben.

Da wir wissen, dass diejenigen, die sich selbst verletzen ein erhöhtes Risiko für Suizidversuche aufweisen (auch wenn beides verschiedene Verhaltensweisen sind), sollten sie hinsichtlich möglicherweise begleitend vorhandener Suizidalität befragt werden.